Das Glück der großen Dinge – ein Kunsterlebnis in vier Akten

Maria Lassnig "Der Jüngling" 2011 bei Capitain Petzel
Maria Lassnig „Der Jüngling“ 2011 bei Capitain Petzel

Der Kunstwahn geht um. In den letzten Tagen hatte NRW einiges zu bieten, was das Herz eines begeisterten Flaneurs der Kulturlandschaft höher schlagen lässt: Angefangen mit der Eröffnung der Ausstellung „Am I still a House?“, der Werke des extravaganten Bildhauers Erwin Wurm im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal, bis hin zum fulminanten Abschluss der Art Cologne war alles dabei!

Wurm im Waldfrieden
Wenn sich alle darüber freuen, dass der Wurm drin ist, kann es sich eigentlich nur um Erwin handeln. Der Österreicher hinterfragt und sprengt die Bedingungen der Bildhauerei. In seiner neuen Ausstellung wartet er mit der begehbaren Plastik „Fat House“ auf, das sich in der Videoinstallation im inneren, fragt, ob es denn als Haus gelten kann. Sein beachtliches Volumen macht der historischen Villa Waldfrieden im Park Konkurrenz.

Wurms Fat House fragt sich "Am I still a house?"
Wurms Fat House fragt sich „Am I still a house?“

Seine One-minute-sculptures haben Wurm als geistreichen und humorvollen Künstler im kollektiven Gedächtnis platziert. Im Waldfrieden bleibt er zwar den klassischen Bildhauernormen treu und zeigt massive Skulpturen aus Bronze und tritt am Eröffnungsabend seriös auf: Der Bart gekämmt, der Anzug sitzt und sein Maybach ist ordentlich vor dem Eingang des Parks platziert. Er provoziert allerdings auch mit seinem weißen, wolkigen Haus mit rotem Dach. Auf den ersten Blick lustig, offenbart das Fat House, Fragen nach Verletzlichkeit und Identität. Wurm ist hier nicht nur der lustige Bildhauer, er ist auch ein Suchender, ein Melancholiker. Jenseits der Äußerlichkeiten lohnt sich der Besuch im Skulpturenpark sehr. Die Ausstellung geht vom 11. 4. – 12. 7. 2015

“The places I’m looking for, my dear, are utopian places, they are boring and I don’t know how to make them real.” – Petrit Halilaj
Häuser, Herzen, Vögel, Blumen, Autos, Flugzeuge, Raketen oder Gewehre aus Stahl zeugen von Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen, Zweifeln, Ängsten und Sorgen der Kinder und Heranwachsenden aus Petit Halilajs ehemaliger Schule in seiner Heimat, Kosovo. Der junge Künstler hat sie für die Ausstellung ABETARE im Kölnischen Kunstverein von den Kritzeleien der Schulbänke in den Raum geholt. Zu sehen sind schwebende, skulpturale Kinderskizzen aus Stahl, die weder utopisch, noch real wirken. Reine Ästhetik: Gleichzeitig nah und sehr, sehr fern.

Petrit Halilaj
Petrit Halilaj

Petrit Halilaj – 
ABETARE vom 17.4. – 2.8. 2015

Kunst gucken bei Nacht
Dieses Jahr ging die Düsseldorfer Nacht der Museen in die 25. Runde und hat ein paar ganz besondere Bonbons aus der Überraschungstüte verteilt: Das NRW-Forum hat die nächtliche Vereinigung von Kunst und Party zum Anlass genommen, sein neues Live-Ideenmagazin 1UP herauszubringen und dabei auf der Bühne im Obergeschoß ein einmaliges Line-up geboten! Die verschiedensten Akteure des Kunstparketts wurden von den Haudegen der düsseldorfer Elektroszene Haut & Knochen gefeiert. 2015-04-20 16.08.34Energie, frischer Wind und der Mut zu neuen Ufern aufzubrechen, fegen Verstocktheit und Spießertum aus den Museen. Das NRW-Forum elektrisiert: Pablo Wendel verteilt Kunststrom für alle und Katharina Drasdo knallt ordentlich Farbe in die Raumgestaltung und die Kommunikation des Events! Bei soviel glücklichen Verbindungen von Szenekultur, geistreichen Inhalten, Humor und Musik kann keiner das heimische Sofa der neuen Museumslandschaft vorziehen.
Der nächste Geheimtipp ist das aufgeweckte Kartell Kollektiv in der Jahnstraße 75, das zur Nacht der Museen, die frische Künstlerschmiede zu sich geladen hat: Die 6 Künstler der Akademie Düsseldorf: Anna-Lena Anton, Sarah Buckner, Sebastian Mejia, Fridolin Schoch, Pascal Sender und Maximilian Siegenbruk zeigen ihre eigensinnigen Positionen in den Räumen des Kartells unter dem Motto Ort & Zeit, denn mehr als das braucht es nicht. Gratis dazu gibt es jede Menge Künstlerflair. Ein neuer Stern der düsseldorfer Off-Szene ist geboren!
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Art Art Art Cologne!
Das achte Messejahr unter der Leitung des Direktors Daniel Hug, ist gleichzeitig das 49. der renommierten, deutschen Kunstmarktschau. Dieses Jahr breitet sich das Angebot auf satten drei Etagen aus und setzt mit dem Ruf die älteste Kunstmesse der Welt zu sein, nach Meinung der Monopol auf Altbewährtes. Stimmt: das Untergeschoss jedenfalls zeigt mit viel Platz zum Atmen, stilvoll und gelassen vor allem Kunst der klassischen Moderne und der Nachkriegszeit. Man trägt hier Anzug, grau meliertes Haar und Hornbrille und murmelt diskret Preise vor sich her. Fehlt nur noch Piano Jazz. Hier wird Business gemacht, aber in Kunstmarktmanier. Die Vogelfederskulptur von Kate Mcc Gwire namens „Sneer“ von 2014, ist zum Beispiel ein echtes Schnäppchen: Für 23.400€ kann man sie käuflich erwerben.IMG_0526

Die gastgebende Stadt selbst, rückt charmant auf kölsche Art in den Mittelpunkt: Es gibt einen Gaffel-Design-Wettbewerb und nach dem Motto „Think global, act local“, spricht der neue Direktor des Kölner Museum Ludwig Yilmaz Dziewior im Symposium „Beyond Global Curating“, über das Kuratieren und die Globalisierung. Auch Global Player, wie die Galerie David Zwirner, sind spätestens über das Sammlerpaar Ludwig, bestens mit Köln vernetzt. Die beiden weiteren Etagen zeigen jüngere Galerien und frechere Kunst, eine Auswahl:

Sigalit Landau, "Small Salt Bride", 2014
Sigalit Landau, „Small Salt Bride“, 2014
Martin Eder, "The Giant", 2014, Galerie Hauser und Wirth
Martin Eder, „The Giant“, 2014, Galerie Hauser und Wirth
Superflex "Euro" 2012
Superflex „Euro“ 2012
Isa Genzken "Der Schauspieler", 2013, Galerie Buchholz
Isa Genzken „Der Schauspieler“, 2013, Galerie Buchholz
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