Art makes the world go round – jedenfalls in Düsseldorf

DSC_4350 2Fünf Tage lang stand die Kunstakademie Düsseldorf letzte Woche von Mittwoch bis Sonntag beim Rundgang etwa 45 000 gut trainierten Rundgängern und ihren neugierigen Augen mit allem offen, was sie zu bieten hat. Ihre langen skulpturenfreundlichen Flure, jede Menge Ateliers, offene Werkräume, die Chilloutarea im oberen Stock, ihre phänomenale Dachterrasse mit Blick über Stadt, Land, Fluss, eine durch-designte Kaffeebar für Hipster und solche, die es werden wollen, haufenweise freshste firstclass Malereien, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Performances, Filme, Fotos und die Künstler selbst zogen an, wie das Licht die Motten. Die Werkschau ist der institutionalisierte Catwalk für über 500 Studenten, ihre Kunst und die, die beim Betrachten gesehen weden wollen.
DSC_4363 3Seit letztem Jahr hat sich die Akademie allerdings von ihrem ramschigen Charakter gelöst und sich scheinbar ein sauberes Marketingkonzept übelegt. Auf den dicken Rändern der schweren Atelier Spülbecken sind leere Bierdosen weißen Tulpen in Wassergläsern gewichen. DSC_4311 2Sie vervollständigen das neue Gesicht der Akademie, das mit dem Magazin zum Rundgang, den Cookies an jeder Ecke und den freundlichen Barista-Gesichtern auf jedem Kaffeebecher die Besucher des Rundgangs beim Kunst gucken in einen Hauch Willkommensein und Heimeligkeit einwickelt. Überhaupt schwappt mehr Lächeln, mehr offenes Gespräch zwischen den Massen der Besucher, den Künstlern und Journalisten über die Gänge. Ob es am Zepter der Direktion Rita Mc Bride liegt, dass es freundlich und ungewohnt ordentlich zugeht beim Rundgang? Vor allem gelten seit ihrer Herrschaftsnachfolge nach Tony Cragg striktere Regeln erzählen die Kunststudenten. Man darf ab dem 13. Semester nicht mehr ausstellen und es wird streng ausgesiebt, was die weltbekannte Institution der Öffentlichkeit preisgibt.
Die blinkende Moschee aus 3000 Korken, von Hakan Eren aus der Fritsch-Klasse, zieht in kleinen Schüben ganze Menschentrauben an. Der spielerische Apparat, dessen Funktionen sich gleichzeitig fern jeglicher Funktionalität bewegen, lässt das kritische Betrachterauge zur Ruhe kommen und lässt schmunzeln. Selbst der hartgesottenste Düsseldorfer Rechtsanwalt in Trench und Hornbrille muss vor der Konstruktion die rechte Augenbraue heben. DSC_4314_2 2DSC_4318 3DSC_4317 4
Junge Mädchen werden gebeten sich darunter auf eine Matte zu legen, den Blick ins innere der Kuppel gerichtet und den Moment zu abzupassen, an dem der professionelle Clown und Künstler Eren die 70 Kilo schwere Kuppel anhebt, nur um sie über den Köpfen zurück auf ihr Gestell rasseln zu lassen. Er hat den Bogen raus, wie man die Leute mit der Kunst unterhält und die Ausstellungssituation von ihrem drückenden Ernst aus einer Mischung von Anspruchs- und Abwehrhaltung erlöst. Nach dem Sturm der letzten Nachichten um Charlie-Hebdo, das Recht auf fiese Karikaturen und den pathetischen Diskussionen um Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung, lockert die Korkenmoschee die Stimmung und erlaubt wieder kindlichen Entdeckergeist.
Auch malerische Arbeiten, wie die von Beatrice Richter oder Lara Rottinghaus, sind wenig aggressiv und kommen verträumt und eher sanft daher.

Lara Rottinghaus, Rostock I
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Beatrice Richter
Suche nach Formen und Strukturen, introvertierte und großflächige Arbeiten wechseln sich ab. Aber die großen Skandale bleiben aus. Dieses Jahr muss niemand vor dem Gestank verwesender Fische in Wasserbecken flüchten, vielmehr wird um Omas recyclete Möbel herum geplauscht. Es wurde fleißig gearbeitet und das darf man auch sehen. Es scheint ruhiger und arbeitsamer gewoden zu sein. Der Kunst tut das aber keinen Abbruch und die Hallen, die einst gefeierten Persönlichkeiten wie Joseph Beuys zeitweise Lebens und Arbeitsraum waren, behalten auch dieses Jahr ihre besondere Anziehungskraft und zeigen Großes. Die Arbeit vieler, talentierter, suchender Hände.
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