Kosmos, Kunst und Kollisionen

OUTER SPACE BlogDas Spiel mit der Faszination Weltraum, zu dem die Bonner Bundeskunsthalle zur Zeit mit der Ausstellung „Outer Space“ einlädt, ist ein Spiel enormer Kontraste, voller Staunen und Erkenntnis, Kuriositäten und harten Fakten.
Enorme Kontraste treffen gleich zu Beginn der Ausstellung aufeinander, wenn das gesamte „Weltbild“ sich bescheiden, buchstäblich „in a nutshell“, in zwei geschnitzten, offenen Walnusshälften als Sternenfirmament präsentiert. Und ein leeres, rotes Samtkissen in der Vitrine, die Ankunft der Bundesbiene ankündigt, die sich gerade noch, in Kunstharz gegossen, mit Alexander Gerst im Weltraum aufhält. Er wird sie bei seiner Welcome-Home-Party am 8. Dezember der Bundeskunsthalle überreichen.
Staunend gebannt richten sich nicht nur Kinderaugen auf die Leinwand mit dem Raketenstart, der 2013 in Baikonur aufgenommen wurde und jede Viertel Stunde wiederholt wird, um jeden einmal rechtzeitig den Countdown bis zum Abschuss runter zählen zu lassen. Dieser ist übrigens als Spannungseffekt bei einem der ersten Sciencefiction-Filme, Frau im Mond von Fritz Lang eingesetzt und später erst als ordnendes Element in der Weltraumpraxis der NASA übernommen worden.
Die Erkenntnis, dass die Weltraumsaga auch dunkle Kapitel enthält, wie den Bau der V2 Rakete, unter Federführung von Wernher von Braun in Peenemünde, bei deren Konstruktion unter widrigen Umständen noch mehr Menschen ums Leben kamen als bei ihrem tatsächlichen Einsatz als Vergeltungswaffe im zweiten Weltkrieg, holt den Besucher auf den irdischen Boden aus unbequemen Tatsachen und Fehlschlägen zurück. Darunter fallen auch die tödlichen Missionen der Apollo 1 von 1967 im Themenraum Schweben und Stürzen und die geborgene Kapsel, Liberty Bell, die nach 38 Jahren unter Wasser an die Tücken der Schwerkraft erinnert. 
Die Komposition aus Objekten in Echtgröße, Fotos und Gedächtnisräumen, fordert den Besucher heraus, zwischen realitätsnaher Abbildung und künstlerischer Interpretation zu unterscheiden. Ist das wirklich das  Bett, in dem Neil Armstrong in seiner ersten Nacht nach der Rückkehr vom Mond geschlafen hat…?
Zu den Kuriositäten zählen die Weltraumtoilette und langlebige Totenkopfäffchen, die Miss Baker hießen, ins Weltall unterwegs waren und lebendig wieder ankamen. Auf ihrer Grabstätte im U.S. Space & Rocket Center werden heute noch Bananen niedergelegt.
Und die Stars der Wars im Weltraum, wie R2D2, C3-PO, Alien oder E.T. teilen sich ein Spiegelkabinett und funkeln mit dem Modell des Raumschiffs aus dem Film StarshipTroopers um die Wette .
Schätze der OutsiderArt mischen sich darunter und werfen die Frage auf, wo lebendige Vorstellungskraft über außerirdisches Leben aufhört und psychische Wahnvorstellungen beginnen. Die zugleich traumhaften, schönen und beängstigenden Arbeiten des amerikanischen Art Brut Künstlers Henry Darger der unbemerkt von der Öffentlichkeit das 15.145 Seiten schwere Manuskript The Realms of the Unreal schuf, zeugen von der ungeheuren Macht der inneren Bildwelten.
Harte Fakten entlassen den Besucher letztendlich mit einem mulmigen Gefühl aus der Ausstellung. Über ihm prangt das Schlusslicht, ähnlich einem Damoklesschwert: Die digitale Anzeige von Gianni Motti, auf der die Zeit bis zum Untergang unseres Sonnensystems abläuft. Es bleiben zwar noch ein paar Milliarden Jahre Zeit, bis das Licht ausgeht, aber die Tatsache, dass wir Menschen diesen Prozess mit unserem Verhalten verlangsamen oder beschleunigen können, lässt über den eigenen Effekt in diesem Universum nachdenken, und stellt all unsere inneren und äußern Grenzen in Frage.

Wie sich das für eine ganzheitliche und moderne Museumspädagogik gehört, stehen Kunstvermittler in den Themenräumen Rede und Antwort und es gibt eine App, die den Weltraum in unser digitales Universum holt:
für iPhone
und android

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