Wo wir von Gewalt sprachen…

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Der Teeconnector geht mit einem ernsten Thema an den Start, und verbindet Dokumentarfilmkunst mit der Philosophie über: Gewalt. Die Erstaufführung von „Concerning Violence“, am 20. September in der Düsseldorfer Black Box sorgte für rege Diskussionen unter den Zuschauern. Das Werk ist die begeisterte Antwort des Filmemachers Göran Hugo Olsson auf Frantz Fanons Text “Die Verdammten dieser Erde“. Olsson bebildert ohne falsches Pathos in neun Kapiteln die afrikanischen Befreiungsbewegungen und erzählt von Aufständen, die zur Entkolonialisierung Afrikas führen sollten. Fanon analysiert die Phänomene des Kolonialismus und Rassismus und ihre Folgen als
«violence à l’état de nature (qui) ne peut s’incliner que devant une plus grande violence », als Gewalt in ihrem natürlichen Zustand, die nur durch noch größere Gewalt überwunden werden kann. (Les damnés de la Terre, 1961)

Olsson, der bei der Vorführung in Düsseldorf anwesend ist und später seinen Film verteidigen muss, greift als Ergänzung zu den mächtigen Worten Fanons auf das Archivmaterial schwedischer Dokumentarfilmer und Fernsehjournalisten von 1966 bis 1984 zurück, das in Afrika aufgenommen wurde. Bilder der Befreiungsbewegung in Angola, der Frelimo in Mozambique und dem Unabhängigkeitskampf in Guinea-Bissau kontrastieren die schwedischer Missionare in Tansania und den Streik in einer schwedischen Mine in Liberia.
Um neben Fanon und Olsson das Trio der Ausdrucksstarken perfekt zu machen, leiht Lauryn Hill, gerade selbst aus gewalttätiger Umgebung – dem Gefängnis – entlassen, dem Appell Fanons ihre tiefe, erdige Stimme und kommentiert das Bildmaterial. Ein Blick auf heutige Konflikte, die entlang der alten Kolonialgrenzen schwelen, zeigt, dass Afrika auch über 50 Jahre nach Fanons Tod die Folgen der jahrhundertelangen europäischen Rohstoff-Raubzüge und Interventionen noch lange nicht überwunden hat.
Olsson stellt sich den Fragen der Zuschauer und gibt nüchtern zu, dass es hauptsächlich eine ästhetische Entscheidung gewesen sei, das Archivmaterial aus den 70er Jahren zu verwenden. Die blassen Farben der Originalaufnahmen, lassen es nicht zu, in schwarz-weißen Strukturen zu denken, oder von einer längst überwundenen Zeit zu träumen, in der Gewalt nur ein Phänomen des Übergangs war.
Dass sie auch heute noch existiert und als Mechanismus eine tragende Rolle unserer Gesellschaften spielt, macht Olsson spätestens deutlich, wenn er das Publikum an die billigen T-Shirts erinnert, die wir hierzulande fordern ohne dafür bezahlen zu wollen. Er, der selbst wirkt, als sei er durch die Mangel genommen worden, nennt die unzähligen, menschlichen, unbezahlten Hände, die an der Nähmaschine unsere Gier bedienen. Einer müsse am Ende der Kette immer bezahlen. Bevor man von Frieden reden könne, müsse man erst einmal aufhören zu rauben.
Olsson zeigt uns Bilder von Kolonialisierung und Gegenwehr, von Macht und Entmachtung, von Gewalt und Wunden, von Angestautem und Ausbrüchen. Und das schonungslos: „We can’t make a film about violence and then say „Oh this is too violent“. This is what it looks like, when you throw a bomb – It is not a football game.“ Unweigerlich denkt man an Gewaltszenen die sich zur Zeit in Gaza abspielen.
Der Film strahlt absolute Aktualität aus:
„You don’t have to be Einstein to understand that the film is about today“, sagt Olsson, ohne den Ernst der Lage je mit einem Lächeln aufzulösen. Er zeigt Gewalt in ihren vielen Formen, aber nur das eine, schreckliche Gesicht.

Wer sich vor dem Ausmaß an Gewalt in der Welt machtlos fühlt und ihr fragend gegenübersteht: Schaut euch Concerning Violence an und spread the message – bis Ende Dezember ist der Film auf Roadshow…

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