Honey im Lustgarten aus Beton

Mit „Honey“ zeigt das KIT in Düsseldorf aktuell seine vierte Soloshow und hat mit Natalie Häusler eine Gestalterin für den gesamten Raum gewonnen, die den Besucher auf ihre künstlerische Reise voller Assoziationen und Referenzen quer durch die Poesie, Philosophie und Bildende Kunst mitnimmt.
Bis zum 23.09.2018 ist die Ausstellung noch zu sehen und mittendrin habe ich mich mit Natalie über ihre Kunst unterhalten…

Sprache, Siebdruck, Sound, Skulptur. Ein Aquarium, ein Pool, ein Motorrad, ein Vorhang und eine Fußreflexzonenmassage auf wabenförmigem Untergrund. Das sind die Medien, Objekte und Raumerfahrungen, die die junge Berliner Künstlerin in den Tunnel am Rhein gebracht hat, um daraus eine eigene Unterwasserwelt der Um- und Neuzuschreibungen zu weben und uns zwischen Verwirrspiel und Anstoß, über Feminismus, Reformbewegung, Ökologie und die Selbstoptimierung nachdenken zu lassen. Verschiedene Ansätze in der Arbeit verdichten sich genauso wie diverse Denkansätze. In welchem Medium fühlt sich die Künstlerin zu Hause und wie hat sie das KIT, mit seiner Tunnelarchitektur bei ihrer Arbeit inspiriert?

„Für mich gibt es gedanklich keine Trennung zwischen den verschiedenen Medien“, sagt sie. „So wie wir gleichzeitig alle Sinne für eine ganzheitliche Wahrnehmung benutzen, ist es für mich sehr natürlich, die verschiedenen Sinne anzusprechen und für meine Arbeit zu verwenden. Die Architektur des KIT hat mich sofort stark angesprochen — die organisch gebogenen Wände, die Dimensionsverschiebungen von niedrig zu hoch, der Grundriss, die Omnipräsenz von Zement, die Tatsache, dass es sich um einen unterirdischen Tunnel handelt, umgeben von Autos, direkt neben einem riesigen Fluss.“

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In diesem Unterwasser-Garten, direkt neben dem Fluss will Häusler ihrem Ausgangspunkt, dem mittelalterlichen, französischen Versepos „Roman de la Rose“, oder „Rosenroman“ neue Rollen der Weiblichkeit entgegensetzen – den „Honey Bunny“ gewissermaßen aus dem passiven Objektcharakter im Lustgarten heraus, zur selbstbestimmten Weiblichkeit emanzipieren und damit ihre eigene Stimme hörbar machen. Batseba am Pool betrachtet, taucht lieber unter der Wasseroberfläche hindurch, statt sich mit David einzulassen…
Für Natalie ist die Ausstellung Honey dabei auch mit einer „Arbeitsweise selbst zu vergleichen, hart und flüssig zugleich, je nach Umgebungstemperatur“.

Dabei erklärt sie wie diese Arbeitsweise in einer Kunstwelt Platz findet, in der immer noch die männliche Perspektive auf die Dinge dominiert:
„Für diese Ausstellung habe ich mich inhaltlich u.a. auf bestimmten weibliche Perspektiven fokussiert. Es gibt beispielsweise eine Auseinandersetzung mit Hormonen, dem Zyklus und anderen Themen, denen ich nicht so oft in Museen begegne, jedoch regelmäßig im alltäglichen Leben. Es hat mich interessiert diese Dinge in einen umfassenderen Diskurs und Blick auf die Welt mit einzubringen. Somit sind sie nur ein Teil der Thematiken, mit denen ich mich für die Ausstellung beschäftigt habe. Ich vermisse eine Vielzahl von Perspektiven v.a., wenn ich durch Sammlungen von Museen gehe, weibliche Perspektiven sind nur eine davon“.

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Ein Aquarium mit bemoostem Lavastein, wirkt auf einer gekachelten Säule, wie das Eingangsportal zu dieser assoziativen Welt. Ein wenig so, als dürfe sich diese persönliche Auseinandersetzung nicht plakativ ausbreiten, nicht wirklich außerhalb bestimmter Grenzen diskutieren lassen. Weibliche Perspektiven sind selten in der Kunstwelt. Hat im 19. Jahrhundert die Industrialisierung die Frage nach dem Lebensraum des Menschen neu aufgeworfen, so sind es heute eher Fragen, nach der kapitalistischen Vereinnahmung von Sexualität und Innerlichkeit. All diese Themen berührt Häusler quasi schwimmend. Druckt einzelne Worte auf leichte Stoffe auf und bleibt dabei fragmentarisch. Klar und eindeutig formuliert wird nichts. Verständlich, dass es bei den Referenzen bleibt und die Autorenschaft subtil daherkommt, ändert sie doch zum Beispiel die Zuschreibung der Frau als Verführerin, die als männliche Projektion im Mittelalter im „Roman de la Rose“ schon erste emanzipatorische Bewegungen („La Querelle du Roman de la Rose“) losgetreten hat und deutet sie um.

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Das tut sie subtil und mit Emotionen, die von zarten und harten Farben getragen werden. Die Kritik, zu referenziell und undurchsichtig zu sein, blockiert Natalie nicht in ihrer Arbeit, im Gegenteil:
„Mich interessieren Referenzen, als Verknüpfungen zu den Gedanken anderer. Das ist eine Art zu denken die für mich produktiv ist. Das heißt aber nicht, dass man sich als Betrachter meiner Arbeit über Referenzen annähern muss. Es gibt viele verschiedene Ebenen, auf denen man die Arbeiten erfahren kann, z.B Farbe oder Materialität. Viele der Arbeiten erzählen ihre Geschichte selbst, auf der Basis von Material, Sprache und Klang. Die Referenzen, mit denen ich arbeite sind für mich ebenso Material wie auch Pigmente, Beton, Pflanzen, Stoff und Wasser.“

Die Ausstellung ist tatsächlich wie Honig, Pigmente werden fixiert, Der Stoff ist Träger von Geschmack und zeugt von der fleißigen Sammelarbeit hinter den Kulissen. So wie er konserviert, lässt er sich auch verzehren. Auf zum Honey Tasting.

Links und Referenzen:  

Honeybear von Eileen Myles 

Christine de Pisan  

„La Querelle du Roman de la Rose“ 

KIT

Fotocredit: Katja Illner, Ivo Farber und Eric Bell

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insights – Ein Spiel mit dem Innen und Außen in Düsseldorf

Der Februar hat mit einer besonderen Gruppenausstellung neue Maßstäbe für die Kooperationen zwischen Kulturinstitutionen und der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf gesetzt: „insights“ von Ji Su Kang und Dmitry Lookianov, die vom 10.02. bis 19.02.2017 im onomato künstlerverein stattfand, wurde von den KuK-Studentinnen (Kunstvermittlung und Kulturmanagement): Maya Hanke, Sarah Jüngerhans, Jana Milchert, Frauke Maria Petry, Anna Pomyalova und Ann-Marie Wörner organisiert. Die gezeigten Fotografien, Skulpturen und Videoarbeiten thematisierten ein Wechselspiel zwischen Innen und Außen. Weiterlesen

Live at Life Drawing im BouiBouiBilk

Draußen wird es kälter und der Herbst deckt sich über uns. Drinnen im Bauch des BouiBouiBilk in der Suitbertusstraße Düsseldorf werden dagegen Zeichenblöcke und Aktmodelle entblättert.
Hier findet wöchentlich mittwochs, ein offener Aktzeichenkurs statt, geleitet von Diana Schulz, die hier mit Ausdauer, Talent und Geduld in der kuscheligen Atmosphäre eines warmen Atelierraums das Zeichnen lehrt.

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Diana Schulz teilt ihre Erfahrungen mit Modell und Zeichnern. (Foto: Markus Glombitza)

Wer Lust hat, ist in dem beheizten Raum eingeladen, sich von 19 Uhr – 22 Uhr auszuprobieren, das Auge zu schulen oder zeichnend in der Beobachtung aufzugehen.
Die Modelle sind dabei herausragend abwechslungsreich ausgewählt. Passend zu Real Bodies , der erfrischenden Auseinandersetzung mit dem „echten“ Körper, die das Tanzhaus in Düsseldorf zur Zeit künstlerisch betreibt, knüpft der Kurs an reale Körperhaftigkeit an. Von den klassischen jungen, weiblichen Körperstudien, die man hier machen kann, über die besondere Intimität und Körpersprache eines Paares, oder einen weiß getünchten, männlichen, statuenhaften Körper in Beziehung zu Requisiten lässt sich alles erwarten und wenig vorausahnen. Wer sein eigenes Zeichenmaterial mitbringt, kann sich hier auf eine intensive Reise begeben, in aller Ruhe vor sich hin lernen und im Anschluss die Ergebnisse gemeinsam besprechen.

Die obligatorische Anmeldung für den Kurs ist einem lockeren „wer zuerst kommt – Prinzip“ gewichen und es gibt keine vorgegebene Reihenfolge der Abende.
Mit 10€ ist man in aller Freiheit dabei, den menschlichen Körper aufs Papier zu bringen und zeichnerisch zu erforschen. Diana Schulz steht mit Tipps und Ratschlägen den ganzen Abend über kompetent zur Verfügung, achtet auf Pausen an den richtigen Stellen und eine harmonische Abfolge spannender Posen.

Kommende Termine:
Mittwochs
02.11.2016
09.11.2016

Ort: BouiBouiBilk, Suitbertusstraße, 149
Austausch über die entstandenen Werke gibt es auf der Facebook-Seite:
Gemütlicher Aktzeichenkurs in Halle 3

Wer gerne auf Nummer Sicher geht und sich anmelden mag:
di.krizzelei@gmail.com
www.facebook.com/halle.drei/

Umsonst und draußen – Art Cologne goes Open Air

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Als Off-Space Galerie will die 686Gallery Kunst für alle zugänglich machen und das am liebsten direkt auf der Straße. Während der diesjährigen Art Cologne, einer der größten Kunstmessen weltweit, haben sich die Gründer der unkonventionellen 686Gallery Raf Andra und Jen Pint ein besonderes Konzept ausgedacht, um den sterilen Messehallen des klassischen Kunst-Biz etwas entgegen zu halten: Am Donnerstag , 14. April, hat um 15 Uhr ihre eigene Art Cologne Vernissage vor den Toren der Kölnmesse begonnen. Auf der grünen Wiese direkt vor dem eigentlichen Messegelände zauberten sie Kunst so locker leicht aus dem Hut als wäre das Leben ein einziges Picknick. Die Festival-Athmosphäre hat ein klares Statement des unverkrampften Beisammenseins in Kontrast zum ernsten Geschäftstreiben innerhalb der heiligen Messehallen gesetzt.

Mit dabei, Werke von :
Michael Zajac, Jovita Majewski, Jennifer Pint, Raf Andra, Agustina Sánchez Gavier, Jakob Harzheim, Antonia Gruber, Julia Frey, Marje Hirvonen und Jens Peters.
Frühlingshafte Sonnenstrahlen, Sekt, Chips und gute Laune haben die Kunstszene hier neu definiert. Interessierte Passanten mischten sich mit geladenen Gästen und reflektierten über  eine Neuordnung des Kunstbetriebs.

Nach der Show ist vor der Show: Die temporäre Open-Air Kunstpräsentation und mobile 686-Wand hat mit den erschöpften Art Cologne-Besuchern peu à peu das Wiesen-Gelände verlassen und hält bereits nach neuen Orten im öffentlichen Raum Ausschau um der Kunst ihre Schranken zu nehmen. Vom 6.-8. Mai 2016 geht das 686Gallery-Festival mit Live-Musik, Performances und einer Kunstauktion an den Start.

Mehr Events der 686Gallery

Maskieren und Revier markieren

In Harmonie mit pflanzenartigen Gebilden, die aus Köpfen und Körpern zu wachsen scheinen und dem Zwielicht der Nacht, eröffnen Dschungelbeats die Tanzfläche. Ausgefeilte Technik lässt Gesichter zu Projektionsflächen und Gießkannen zu Elefanten werden.

Die Kunstakademie Düsseldorf hat am 25.01.2016 in ihr Revier geladen und den Ring frei gegeben für fröhliches Verwirrspiel auf einem Maskenball, der den Namen verdient.
Ab 20 Uhr führte eine musikalische Performance von Trafiki zur Aula, die ihre Pforten zur Tanzfläche öffnete und von der Band Mister Shirazy für eine Nacht in ein Utopia verwandelt wurde. Um Mitternacht überzeugte eine Maske aus echten Pilzen das Publikum bei der offiziellen Preisverleihung und ihr Träger wurde mit dem lautesten Applaus und 1000€ Preisgeld gekrönt.

Persönliche Höhepunkte des Abends waren ein menschliches Tumbleweed, das über den Flur fegte und der Fotograf Alessandro De MATTEIS mit Houtan Nourian, der den Flur der Maskenballparade nutzte, um alle maskierten Gäste vor die Linse zu laden.

Jovita Majewski hat mit ihrem Akademieabschluss in diesem Jahr Exzellenz bewiesen und das rauschende Fest zur Eröffnung des diesjährigen Rundgangs ausgerichtet.
Sie selbst erschien mit silbern glänzender Vanitas-Maske und Geweih auf dem Rücken zum schwingenden hellblauen Feenkleid.

Der Maskenball hat dringenden Wiederholungsbedarf und ist eine ideale Party für Verfechter echten (Ver)Kleidens, jenseits steiler Karneval-stereotypen und billiger Kopien. Die Aula der Kunstakademie ist dabei Spielplatz und Austragungsort kreativen Wettrüstens. Mit ihrem Schlitterparkett, den Wandreliefs, den alten Bildern und überdimensionierten Fenstern in die blaue Nacht, inszenierte sie maskierte Künstler eindeutig in ihrem Revier.

Gerne mehr davon!

Fotocredits: © 2016 Alessandro De MATTEIS & Houtan Nourian

Das Glück der großen Dinge – ein Kunsterlebnis in vier Akten

Maria Lassnig "Der Jüngling" 2011 bei Capitain Petzel
Maria Lassnig „Der Jüngling“ 2011 bei Capitain Petzel

Der Kunstwahn geht um. In den letzten Tagen hatte NRW einiges zu bieten, was das Herz eines begeisterten Flaneurs der Kulturlandschaft höher schlagen lässt: Angefangen mit der Eröffnung der Ausstellung „Am I still a House?“, der Werke des extravaganten Bildhauers Erwin Wurm im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal, bis hin zum fulminanten Abschluss der Art Cologne war alles dabei!

Wurm im Waldfrieden
Wenn sich alle darüber freuen, dass der Wurm drin ist, kann es sich eigentlich nur um Erwin handeln. Der Österreicher hinterfragt und sprengt die Bedingungen der Bildhauerei. In seiner neuen Ausstellung wartet er mit der begehbaren Plastik „Fat House“ auf, das sich in der Videoinstallation im inneren, fragt, ob es denn als Haus gelten kann. Sein beachtliches Volumen macht der historischen Villa Waldfrieden im Park Konkurrenz.

Wurms Fat House fragt sich "Am I still a house?"
Wurms Fat House fragt sich „Am I still a house?“

Seine One-minute-sculptures haben Wurm als geistreichen und humorvollen Künstler im kollektiven Gedächtnis platziert. Im Waldfrieden bleibt er zwar den klassischen Bildhauernormen treu und zeigt massive Skulpturen aus Bronze und tritt am Eröffnungsabend seriös auf: Der Bart gekämmt, der Anzug sitzt und sein Maybach ist ordentlich vor dem Eingang des Parks platziert. Er provoziert allerdings auch mit seinem weißen, wolkigen Haus mit rotem Dach. Auf den ersten Blick lustig, offenbart das Fat House, Fragen nach Verletzlichkeit und Identität. Wurm ist hier nicht nur der lustige Bildhauer, er ist auch ein Suchender, ein Melancholiker. Jenseits der Äußerlichkeiten lohnt sich der Besuch im Skulpturenpark sehr. Die Ausstellung geht vom 11. 4. – 12. 7. 2015

“The places I’m looking for, my dear, are utopian places, they are boring and I don’t know how to make them real.” – Petrit Halilaj
Häuser, Herzen, Vögel, Blumen, Autos, Flugzeuge, Raketen oder Gewehre aus Stahl zeugen von Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen, Zweifeln, Ängsten und Sorgen der Kinder und Heranwachsenden aus Petit Halilajs ehemaliger Schule in seiner Heimat, Kosovo. Der junge Künstler hat sie für die Ausstellung ABETARE im Kölnischen Kunstverein von den Kritzeleien der Schulbänke in den Raum geholt. Zu sehen sind schwebende, skulpturale Kinderskizzen aus Stahl, die weder utopisch, noch real wirken. Reine Ästhetik: Gleichzeitig nah und sehr, sehr fern.

Petrit Halilaj
Petrit Halilaj

Petrit Halilaj – 
ABETARE vom 17.4. – 2.8. 2015

Kunst gucken bei Nacht
Dieses Jahr ging die Düsseldorfer Nacht der Museen in die 25. Runde und hat ein paar ganz besondere Bonbons aus der Überraschungstüte verteilt: Das NRW-Forum hat die nächtliche Vereinigung von Kunst und Party zum Anlass genommen, sein neues Live-Ideenmagazin 1UP herauszubringen und dabei auf der Bühne im Obergeschoß ein einmaliges Line-up geboten! Die verschiedensten Akteure des Kunstparketts wurden von den Haudegen der düsseldorfer Elektroszene Haut & Knochen gefeiert. 2015-04-20 16.08.34Energie, frischer Wind und der Mut zu neuen Ufern aufzubrechen, fegen Verstocktheit und Spießertum aus den Museen. Das NRW-Forum elektrisiert: Pablo Wendel verteilt Kunststrom für alle und Katharina Drasdo knallt ordentlich Farbe in die Raumgestaltung und die Kommunikation des Events! Bei soviel glücklichen Verbindungen von Szenekultur, geistreichen Inhalten, Humor und Musik kann keiner das heimische Sofa der neuen Museumslandschaft vorziehen.
Der nächste Geheimtipp ist das aufgeweckte Kartell Kollektiv in der Jahnstraße 75, das zur Nacht der Museen, die frische Künstlerschmiede zu sich geladen hat: Die 6 Künstler der Akademie Düsseldorf: Anna-Lena Anton, Sarah Buckner, Sebastian Mejia, Fridolin Schoch, Pascal Sender und Maximilian Siegenbruk zeigen ihre eigensinnigen Positionen in den Räumen des Kartells unter dem Motto Ort & Zeit, denn mehr als das braucht es nicht. Gratis dazu gibt es jede Menge Künstlerflair. Ein neuer Stern der düsseldorfer Off-Szene ist geboren!
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Art Art Art Cologne!
Das achte Messejahr unter der Leitung des Direktors Daniel Hug, ist gleichzeitig das 49. der renommierten, deutschen Kunstmarktschau. Dieses Jahr breitet sich das Angebot auf satten drei Etagen aus und setzt mit dem Ruf die älteste Kunstmesse der Welt zu sein, nach Meinung der Monopol auf Altbewährtes. Stimmt: das Untergeschoss jedenfalls zeigt mit viel Platz zum Atmen, stilvoll und gelassen vor allem Kunst der klassischen Moderne und der Nachkriegszeit. Man trägt hier Anzug, grau meliertes Haar und Hornbrille und murmelt diskret Preise vor sich her. Fehlt nur noch Piano Jazz. Hier wird Business gemacht, aber in Kunstmarktmanier. Die Vogelfederskulptur von Kate Mcc Gwire namens „Sneer“ von 2014, ist zum Beispiel ein echtes Schnäppchen: Für 23.400€ kann man sie käuflich erwerben.IMG_0526

Die gastgebende Stadt selbst, rückt charmant auf kölsche Art in den Mittelpunkt: Es gibt einen Gaffel-Design-Wettbewerb und nach dem Motto „Think global, act local“, spricht der neue Direktor des Kölner Museum Ludwig Yilmaz Dziewior im Symposium „Beyond Global Curating“, über das Kuratieren und die Globalisierung. Auch Global Player, wie die Galerie David Zwirner, sind spätestens über das Sammlerpaar Ludwig, bestens mit Köln vernetzt. Die beiden weiteren Etagen zeigen jüngere Galerien und frechere Kunst, eine Auswahl:

Sigalit Landau, "Small Salt Bride", 2014
Sigalit Landau, „Small Salt Bride“, 2014
Martin Eder, "The Giant", 2014, Galerie Hauser und Wirth
Martin Eder, „The Giant“, 2014, Galerie Hauser und Wirth
Superflex "Euro" 2012
Superflex „Euro“ 2012
Isa Genzken "Der Schauspieler", 2013, Galerie Buchholz
Isa Genzken „Der Schauspieler“, 2013, Galerie Buchholz

Art makes the world go round – jedenfalls in Düsseldorf

DSC_4350 2Fünf Tage lang stand die Kunstakademie Düsseldorf letzte Woche von Mittwoch bis Sonntag beim Rundgang etwa 45 000 gut trainierten Rundgängern und ihren neugierigen Augen mit allem offen, was sie zu bieten hat. Ihre langen skulpturenfreundlichen Flure, jede Menge Ateliers, offene Werkräume, die Chilloutarea im oberen Stock, ihre phänomenale Dachterrasse mit Blick über Stadt, Land, Fluss, eine durch-designte Kaffeebar für Hipster und solche, die es werden wollen, haufenweise freshste firstclass Malereien, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Performances, Filme, Fotos und die Künstler selbst zogen an, wie das Licht die Motten. Die Werkschau ist der institutionalisierte Catwalk für über 500 Studenten, ihre Kunst und die, die beim Betrachten gesehen weden wollen.
DSC_4363 3Seit letztem Jahr hat sich die Akademie allerdings von ihrem ramschigen Charakter gelöst und sich scheinbar ein sauberes Marketingkonzept übelegt. Auf den dicken Rändern der schweren Atelier Spülbecken sind leere Bierdosen weißen Tulpen in Wassergläsern gewichen. DSC_4311 2Sie vervollständigen das neue Gesicht der Akademie, das mit dem Magazin zum Rundgang, den Cookies an jeder Ecke und den freundlichen Barista-Gesichtern auf jedem Kaffeebecher die Besucher des Rundgangs beim Kunst gucken in einen Hauch Willkommensein und Heimeligkeit einwickelt. Überhaupt schwappt mehr Lächeln, mehr offenes Gespräch zwischen den Massen der Besucher, den Künstlern und Journalisten über die Gänge. Ob es am Zepter der Direktion Rita Mc Bride liegt, dass es freundlich und ungewohnt ordentlich zugeht beim Rundgang? Vor allem gelten seit ihrer Herrschaftsnachfolge nach Tony Cragg striktere Regeln erzählen die Kunststudenten. Man darf ab dem 13. Semester nicht mehr ausstellen und es wird streng ausgesiebt, was die weltbekannte Institution der Öffentlichkeit preisgibt.
Die blinkende Moschee aus 3000 Korken, von Hakan Eren aus der Fritsch-Klasse, zieht in kleinen Schüben ganze Menschentrauben an. Der spielerische Apparat, dessen Funktionen sich gleichzeitig fern jeglicher Funktionalität bewegen, lässt das kritische Betrachterauge zur Ruhe kommen und lässt schmunzeln. Selbst der hartgesottenste Düsseldorfer Rechtsanwalt in Trench und Hornbrille muss vor der Konstruktion die rechte Augenbraue heben. DSC_4314_2 2DSC_4318 3DSC_4317 4
Junge Mädchen werden gebeten sich darunter auf eine Matte zu legen, den Blick ins innere der Kuppel gerichtet und den Moment zu abzupassen, an dem der professionelle Clown und Künstler Eren die 70 Kilo schwere Kuppel anhebt, nur um sie über den Köpfen zurück auf ihr Gestell rasseln zu lassen. Er hat den Bogen raus, wie man die Leute mit der Kunst unterhält und die Ausstellungssituation von ihrem drückenden Ernst aus einer Mischung von Anspruchs- und Abwehrhaltung erlöst. Nach dem Sturm der letzten Nachichten um Charlie-Hebdo, das Recht auf fiese Karikaturen und den pathetischen Diskussionen um Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung, lockert die Korkenmoschee die Stimmung und erlaubt wieder kindlichen Entdeckergeist.
Auch malerische Arbeiten, wie die von Beatrice Richter oder Lara Rottinghaus, sind wenig aggressiv und kommen verträumt und eher sanft daher.

Lara Rottinghaus, Rostock I
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Beatrice Richter
Suche nach Formen und Strukturen, introvertierte und großflächige Arbeiten wechseln sich ab. Aber die großen Skandale bleiben aus. Dieses Jahr muss niemand vor dem Gestank verwesender Fische in Wasserbecken flüchten, vielmehr wird um Omas recyclete Möbel herum geplauscht. Es wurde fleißig gearbeitet und das darf man auch sehen. Es scheint ruhiger und arbeitsamer gewoden zu sein. Der Kunst tut das aber keinen Abbruch und die Hallen, die einst gefeierten Persönlichkeiten wie Joseph Beuys zeitweise Lebens und Arbeitsraum waren, behalten auch dieses Jahr ihre besondere Anziehungskraft und zeigen Großes. Die Arbeit vieler, talentierter, suchender Hände.